Urlaubsorte am Mittelmeer unter Besucheransturm
Urlaubsorte am Mittelmeer unter Besucheransturm, Foto: pixabay

Viele beliebte Reiseziele in Europa stehen im Sommer 2025 vor einer extremen Belastung durch Massentourismus. Besonders stark betroffen ist der Mittelmeerraum, wo sich der Großteil der internationalen Ankünfte auf wenige Wochen zwischen Juli und September konzentriert. Analysen des Übertourismus-Index von „Evaneos“ und der Unternehmensberatung „Roland Berger“ zeigen deutliche Überlastungen in 36 von 77 untersuchten Destinationen.

Inhaltsverzeichnis:

Proteste auf Mallorca gegen steigende Besucherzahlen

Die Situation führt in zahlreichen Regionen zu überfüllten Altstädten, langen Warteschlangen und eingeschränktem Zugang zu Sehenswürdigkeiten. Auf Mallorca kam es im Sommer zu öffentlichen Protesten. Bewohner machten ihrem Ärger auch durch Botschaften an Hauswänden Luft. Besonders Küstenorte und historische Zentren geraten an ihre Kapazitätsgrenzen.

Kroatien mit Einschränkungen für Kreuzfahrtschiffe

In Kroatien fallen 70 Prozent aller jährlichen Gästeankünfte auf die Sommermonate, 30 Prozent allein auf den August.

  • In Dubrovnik dürfen täglich nur noch zwei Kreuzfahrtschiffe anlegen.
  • Bestimmte Fußwege werden zu Stoßzeiten gesperrt.
  • Private Ferienvermietungen in der Altstadt könnten begrenzt werden, um Wohnraum für Einheimische zu sichern.

Diese Maßnahmen sollen sowohl die historische Bausubstanz schützen als auch das kulturelle Gleichgewicht in der Stadt erhalten.

Montenegro, Bulgarien und Griechenland unter Druck

In Montenegro reisen 57 Prozent aller Touristen zwischen Juli und September an. Besonders betroffen sind Budva, der Strand Velika Plaža in Ulcinj und die Bucht von Kotor.

In Bulgarien sorgt der gleiche prozentuale Anteil von Sommergästen für volle Strände an der Schwarzmeerküste. Weniger bekannte Ziele wie die Rhodopen oder das Balkangebirge bleiben hingegen im Sommer deutlich leerer.

In Griechenland entfallen 56 Prozent der jährlichen Besucher auf die Sommerzeit, 22 Prozent allein auf den August. Auf Santorin und Mykonos nimmt der Unmut der Bewohner seit 2024 zu. Die Regierung plant Besucherobergrenzen und Einschränkungen für Kreuzfahrtschiffe sowie neue Konzepte zur Saisonverlängerung.

Italien und Frankreich setzen auf Regulierung

In Italien besuchen 47 Prozent der internationalen Gäste das Land im Sommer. Venedig erhebt seit April 2024 eine Eintrittsgebühr, die inzwischen 10 Euro beträgt. Die Cinque Terre haben Wanderwege in Einbahnstraßen umgewandelt, und an der Amalfiküste gelten in der Hochsaison Fahrverbote.

Frankreich verzeichnet zwischen Juli und September 46 Prozent aller Urlauber, 20 Prozent davon im August. In Saint-Tropez treffen täglich über 80.000 Besucher auf nur wenige Tausend Einwohner. Ein Besuchsquotensystem im Calanques-Nationalpark begrenzt den Zugang. Auf Korsika ist das Ankern großer Jachten in Küstennähe verboten, was die Besucherzahlen in einigen Häfen um bis zu 40 Prozent gesenkt hat.

Finnland als Sommeralternative

„Evaneos“ empfiehlt Finnland als ruhige Alternative zu stark frequentierten Mittelmeerländern. Während der Mittsommernacht bietet das Land weite Wälder, klare Seen und traditionelle Feste wie „Juhannus“ mit Saunagängen und Lagerfeuern. Finnland gilt weiterhin als weitgehend unberührt vom Massentourismus.

Griechisches Festland mit ruhigen Regionen

Das griechische Festland, insbesondere Epirus und Thessalien, bietet unberührte Natur, Bergdörfer und byzantinische Klöster. Reisende finden dort traditionelle Tavernen und historische Stätten ohne die Menschenmassen der Inseln.

Madagaskar mit authentischem Charakter

Der ostafrikanische Inselstaat Madagaskar bleibt bislang vom großen Tourismusboom verschont. In Antananarivo erwarten Besucher Kolonialarchitektur, lebhafte Märkte wie der Zoma und ein gemächlicher Lebensrhythmus. Madagaskar bietet im Sommer eine fernere, aber deutlich entspanntere Alternative zu den überlasteten europäischen Hotspots.

 Quelle: Reise Reporter