Mehr Europäer reisen jetzt visumfrei nach China
Mehr Europäer reisen jetzt visumfrei nach China, Foto: pixabay

China hat die visumfreie Einreise für Staatsbürger aus 74 Ländern erweitert – darunter fast alle Länder Europas. Ziel ist es, den internationalen Tourismus zu fördern und die Wirtschaft des Landes weiter zu beleben. Die neue Regelung erlaubt Aufenthalte von bis zu 30 Tagen ohne Visum. Zwei europäische Länder bleiben jedoch ausgeschlossen.

Inhaltsverzeichnis:

Frankreich, Deutschland und Italien profitieren

Seit Dezember 2023 können Bürger aus Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, den Niederlanden und Malaysia visumfrei nach China einreisen. Diese Regelung wurde schrittweise auf viele weitere Länder ausgeweitet. Anfang Juli wurde auch Aserbaidschan in die Liste aufgenommen. Damit zählt China inzwischen 75 Länder, deren Bürger ohne Visum für touristische oder geschäftliche Zwecke nach China reisen können.

Die Einreise ist zunächst für ein Jahr erlaubt, mit der Option auf Verlängerung, wenn sich das System bewährt. Für rund zwei Drittel der Länder gilt die Regelung testweise. Der Andrang wächst: Laut Nationaler Einwanderungsbehörde reisten im Jahr 2024 bereits mehr als 20 Millionen Menschen visumfrei ein – mehr als doppelt so viele wie 2023.

Schweden und Großbritannien fehlen

Auffällig ist das Fehlen von Schweden und dem Vereinigten Königreich auf der Liste der visumfreien Länder. Beide Länder gehören zu den wenigen europäischen Staaten, deren Bürger weiterhin ein Visum beantragen müssen. Die Beziehungen zwischen China und Schweden sind seit der Verhaftung des schwedischen Buchhändlers Gui Minhai im Jahr 2020 belastet. Großbritannien ist wegen geopolitischer Spannungen ausgeschlossen.

Land Visumfrei (30 Tage) Visum erforderlich
Deutschland
Frankreich
Spanien
Italien
Schweden
Vereinigtes Königreich

Die Transitregelung bietet eine eingeschränkte Alternative: Für 55 Länder – darunter auch Staaten ohne vollständige Visumfreiheit – ist eine visumfreie Durchreise bis zu 10 Tagen möglich. Diese Regelung gilt jedoch nur an 60 Einreisehäfen.

Tourismusbranche spürt Aufschwung

Die Reisebranche reagiert positiv auf die neue Politik. Gao Jun, ein erfahrener Reiseleiter in Peking, berichtet von hoher Nachfrage. Er gründete kürzlich eine Firma, um neue englischsprachige Reiseleiter auszubilden. Auch Jenny Zhao von WildChina bestätigt den Trend. Ihr Unternehmen verzeichnet einen Zuwachs von 50 Prozent im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie.

Die Online-Plattform Trip.com meldet eine Verdopplung der Flug- und Hotelbuchungen nach China im ersten Quartal 2025. Rund 75 Prozent der Reisenden stammen aus Regionen, die von der Visumfreiheit profitieren. Europäische Touristen machen inzwischen 15 bis 20 Prozent der Kundschaft aus – vor 2019 lag dieser Wert bei unter 5 Prozent.

Reiseerleichterung für Familien

Für Familien ist die neue Regelung eine enorme Erleichterung. Øystein Sporsheim aus Norwegen schildert, wie aufwendig es früher war, mit zwei Kindern ein Visum zu beantragen. Lange Wartezeiten und begrenzte Öffnungszeiten der Botschaften machten die Reiseplanung schwierig. Nun spart seine Familie Zeit und Geld.

China setzt mit dieser Maßnahme auf eine klare Strategie: mehr internationale Besucher, bessere wirtschaftliche Verbindungen, gesteigerte Soft Power. Durch die visumfreie Einreise wird das Land attraktiver für Touristen und Geschäftsreisende gleichermaßen.

Wichtigste Fakten im Überblick:

  1. 75 Länder profitieren von 30 Tagen visumfreier Einreise.
  2. Über 20 Millionen Menschen reisten 2024 ohne Visum nach China.
  3. Schweden und Großbritannien bleiben ausgeschlossen.
  4. Die Transitregelung ermöglicht bis zu 10 Tage Aufenthalt für weitere Länder.
  5. Tourismus- und Buchungszahlen steigen deutlich an.

Die Entscheidung Chinas markiert einen bedeutenden Schritt zur Öffnung gegenüber der Welt – mit direkten Auswirkungen auf Tourismus, Handel und internationale Beziehungen.

 Quelle: Focus