Ernährung beeinflusst Lebensdauer
Ernährung beeinflusst Lebensdauer, Foto: pixabay

Die Lebenserwartung der Deutschen liegt unter dem westeuropäischen Durchschnitt. Eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung und des Max-Planck-Instituts zeigt, dass deutsche Männer und Frauen im Vergleich zu 16 anderen Ländern Westeuropas schlechter abschneiden. Während Männer mit 78,8 Jahren auf dem vorletzten Platz vor Portugal landen, erreichen Frauen mit 83,5 Jahren nur den 14. Platz. Eine entscheidende Ursache: ungesunde Ernährungsgewohnheiten. Der Hamburger Ernährungsmediziner Matthias Riedl sieht in der alltäglichen Nahrung eine zentrale Ursache für viele Krankheiten. Bis zu 70 Prozent der Erkrankungen seiner Patienten hängen direkt mit falscher Ernährung zusammen.

Inhaltsverzeichnis:

Matthias Riedl warnt vor Bananen, Kirschen und Fruchtsäften

Riedl kritisiert eine weit verbreitete Fehleinschätzung: viele Lebensmittel gelten als gesund, obwohl sie schädlich sind. Ein Beispiel sei die Banane. Durch Züchtung enthält sie viel Fruchtzucker. Das steigert das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und andere Zivilisationskrankheiten. Auch Kirschen und Ananas seien problematisch, besonders für Menschen mit Übergewicht.

Ebenso rät der Mediziner vom Konsum von Fruchtsäften ab. Diese enthalten häufig mehr Zucker als Cola. Auch Smoothies können schädlich sein, wenn sie in großen Mengen konsumiert werden. Die Folge sei oft eine Fettleber, selbst bei sportlichen Menschen. Besonders gefährlich sei das ständige Snacken – ein verbreitetes Verhalten in Deutschland. Regelmäßige kleine Mahlzeiten führen zu ständig erhöhtem Blutzuckerspiegel, was Entzündungen fördert und den Alterungsprozess beschleunigt.

Beyond Meat und Low-Carb: Etiketten täuschen oft

Produkte, die als gesund vermarktet werden, halten laut Riedl häufig nicht, was sie versprechen. Ein prominentes Beispiel: der vegane Burger von Beyond Meat. Obwohl als Alternative zu Fleisch beliebt, ist er nährwerttechnisch nicht überzeugend. Riedl erklärt, dass Begriffe wie „vegan“ oder „Low Carb“ oft missverstanden werden.

Die sogenannte LOGI-Methode könne sinnvoll sein, aber andere Low-Carb-Diäten wie die Paläo-Diät bergen Risiken. Langfristig kann sie das Krebsrisiko erhöhen. Deshalb fordert Riedl ein neues Verständnis für gesunde Ernährung. Er sieht in der irreführenden Werbung und unklaren Begriffen ein gesellschaftliches Problem.

Diese Lebensmittel machen krank

Riedl nennt konkrete Lebensmittel, die häufig gesundheitliche Schäden verursachen. Zu den größten Risikofaktoren zählen:

  • Leicht verdauliche Kohlenhydrate wie Nudeln, Kartoffeln und Reis
  • Rotes Fleisch
  • Zuckerhaltige Produkte
  • Stark verarbeitete Lebensmittel mit Zusatzstoffen
  • Fruchtsäfte und Smoothies mit hohem Zuckeranteil

Diese Produkte steigern das Risiko für:

  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Arteriosklerose
  • Rheuma
  • Osteoporose
  • Leber-, Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs
  • Entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa

Riedl warnt auch vor schleichender Krankheitsentwicklung. Viele Beschwerden entstehen über Jahrzehnte hinweg und werden oft nicht mit der Ernährung in Verbindung gebracht.

Mediterrane Ernährung als Modell

Eine artgerechte Ernährung könne viele Krankheiten lindern oder sogar heilen. Riedl empfiehlt eine Ernährung, die sich an der Mittelmeerküche orientiert. Besonders gesund sei der Verzehr von:

  • Viel Gemüse (mindestens 400 g pro Tag)
  • Hochwertigem pflanzlichen Eiweiß aus Linsen, Bohnen und Nüssen
  • Gesunden Fetten wie Oliven-, Raps- oder Leinöl
  • Zuckerarmen Obstsorten wie Äpfeln oder Beeren
  • Begrenzter Menge an tierischem Eiweiß (z. B. 2 Mal pro Woche Fleisch)

Weitere Empfehlungen:

  • Nicht mehr als 200 g Obst pro Tag
  • Maximal 50 g Zucker täglich, ideal unter 25 g
  • Alkoholkonsum stark begrenzen oder vermeiden
  • Täglich mindestens 0,03 Liter Wasser pro Kilogramm Körpergewicht

Riedl betont: Je pflanzenreicher und naturbelassener die Nahrung, desto besser für die Gesundheit. Die langfristige Umstellung sei entscheidend, da falsche Ernährung oft schleichend krank mache. Eine bewusste Auswahl der Lebensmittel könne das Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen senken – und die Lebenserwartung erhöhen.

Quelle: Focus