Nicht nur Ernährung und Sport beeinflussen die Lebenserwartung. Studien zeigen, dass Freundlichkeit, soziale Bindungen und eine glückliche Ehe entscheidende Faktoren sein können. Die Autorin Marta Zaraska hat in ihrem Buch zahlreiche Daten zusammengetragen, die zeigen, welche Lebensweisen die Sterblichkeit senken und welche sie erhöhen.
Inhaltsverzeichnis:
- Marta Zaraska und die Suche nach Ursachen für Langlebigkeit
- Ehe und Gesundheit
- Soziale Netzwerke in den USA und Japan
- Ehrenamt und Freundlichkeit
- Gewissenhaftigkeit und Extravertiertheit
- Risikofaktoren wie Einsamkeit und Vitamine
- Übersicht in Zahlen
- Schlussbetrachtung
Marta Zaraska und die Suche nach Ursachen für Langlebigkeit
Die kanadische Wissenschaftsjournalistin Marta Zaraska beschreibt, dass in einer hektischen Zeit schnelle Lösungen wie Pillen oder „Superfood“ gefragt sind. Doch die Forschung weist auf andere Einflüsse hin. Eine starke soziale Vernetzung kann das Sterberisiko um 45 Prozent senken. Bewegung reduziert es um 23 bis 33 Prozent. Beide Werte zeigen klare Trends, auch wenn Studienmethoden variieren.
Zu den zentralen Faktoren, die die Lebensdauer verlängern, zählen:
- Glückliche Ehe
- Großes soziales Umfeld
- Extravertiertheit
- Freiwilligenarbeit
- Klare Lebensziele
- Freundlichkeit
- Gewissenhaftigkeit
Gleichzeitig gibt es Einflüsse, die die Sterblichkeit deutlich erhöhen, darunter Einsamkeit oder die Einnahme von Vitaminen in hoher Dosierung.
Ehe und Gesundheit
Verheiratete Menschen haben ein geringeres Risiko für Herzprobleme, Krebs oder Alzheimer. Eine glückliche Ehe kann das Risiko, ein metabolisches Syndrom zu entwickeln, bei Frauen um das Dreifache senken.
Studien zeigen auch, dass verheiratete Patienten nach einem Herzinfarkt mit anschließender Bypass-Operation zweieinhalb Mal häufiger 15 Jahre länger leben als unverheiratete. Unzufriedenheit in Partnerschaften wirkt dagegen schädlich, da sie Entzündungswerte und das Risiko für Diabetes erhöht.
Soziale Netzwerke in den USA und Japan
Eine groß angelegte Studie in Alameda County, Kalifornien, ergab, dass Menschen ohne enge Bindungen dreimal häufiger innerhalb von sieben Jahren sterben. Die Weltgesundheitsorganisation zählt soziale Unterstützungsnetzwerke inzwischen zu den offiziellen Gesundheitsdeterminanten.
Auch in Japan wird der Begriff „ikigai“ betont. Menschen mit einem klaren Lebensziel hatten in einer Langzeitstudie eine um 50 Prozent geringere Sterblichkeit. Dieser Effekt ist vergleichbar mit dem Aufhören des Rauchens.
Ehrenamt und Freundlichkeit
Freiwilligenarbeit bringt messbare Vorteile. Ehrenamtlich Tätige haben eine um bis zu 44 Prozent niedrigere Sterblichkeit. Zusätzlich ist ihr Risiko für hohen Blutzucker um 29 Prozent geringer. Sie verbringen außerdem 38 Prozent weniger Nächte im Krankenhaus.
Ähnliche Effekte sind weltweit belegt, von Kuwait bis Bolivien. Auch Freundlichkeit hat nachweisbare biologische Folgen. Studien aus Südkalifornien belegen, dass Gene für Entzündungsreaktionen bei freundlichen Menschen weniger aktiv sind.
Gewissenhaftigkeit und Extravertiertheit
Menschen mit hoher Gewissenhaftigkeit haben ein um 44 Prozent niedrigeres Sterberisiko. Diese Wirkung ist stärker als die von Aspirin gegen Herzkrankheiten. Bereits in der Kindheit gemessene Gewissenhaftigkeit kann die Lebenserwartung um Jahrzehnte vorhersagen.
Extravertierte Menschen profitieren von sozialen Kontakten und Bewegung. Studien zeigen ein 21 bis 24 Prozent niedrigeres Risiko zu sterben, vergleichbar mit den Effekten einer mediterranen Ernährung.
Risikofaktoren wie Einsamkeit und Vitamine
Chronische Einsamkeit steigert die Sterblichkeit um 83 Prozent. Sie führt zu Schlafstörungen und begünstigt Herzkrankheiten, Diabetes und Krebs. Einsamkeit ist gefährlicher als Rauchen.
Weitere Faktoren:
- Mangelnder Optimismus kann die Lebenszeit um bis zu 10 Jahre verkürzen.
- Neurotisches Verhalten erhöht das Sterberisiko um 33 Prozent.
- Übermäßige Einnahme von Vitaminen wie A, C oder E kann das Leben verkürzen.
In den Niederlanden verursachen neurotische Menschen Kosten von über 1,3 Milliarden Euro pro Million Einwohner.
Übersicht in Zahlen
| Faktor | Wirkung auf Sterblichkeit | Quelle/Studie |
|---|---|---|
| Glückliche Ehe | bis zu 2,5-fach längere Überlebenschance nach Herzoperation | verschiedene Studien |
| Großes soziales Umfeld | Risiko um 45 Prozent reduziert | Alameda County |
| Extravertiertheit | 21–24 Prozent geringeres Risiko | Vergleichsstudien |
| Freiwilligenarbeit | 22–44 Prozent geringere Sterblichkeit | internationale Analysen |
| Ikigai in Japan | 50 Prozent geringeres Risiko | japanische Langzeitstudie |
| Freundlichkeit | niedrigere Entzündungswerte im Blut | Südkalifornien |
| Gewissenhaftigkeit | 44 Prozent geringeres Risiko | internationale Studien |
| Einsamkeit | 83 Prozent höheres Risiko | klinische Studien |
| Vitamine (A, C, E) | teilweise höheres Sterberisiko | Metaanalysen |
| Optimismus | bis zu 10 Jahre längeres Leben | Klosterstudie und Folgestudien |
| Neurotizismus | 33 Prozent höheres Risiko | niederländische Studien |
Schlussbetrachtung
Die Daten verdeutlichen, dass soziale Bindungen, emotionale Stabilität und Gewohnheiten entscheidenden Einfluss auf die Lebensdauer haben. Während körperliche Bewegung und Ernährung wichtig bleiben, sind soziale und psychologische Faktoren oft noch wirksamer. Freundlichkeit, Ziele im Leben und enge Beziehungen zählen zu den stärksten Schutzmechanismen gegen vorzeitigen Tod.
Quelle: Focus