Seit sieben Jahrzehnten fasziniert das Guinness-Buch der Rekorde mit außergewöhnlichen Leistungen. Es begann als Marketingidee einer irischen Brauerei und entwickelte sich zu einem weltweiten Phänomen. Heute zählt es Millionen verkaufter Exemplare und eine stetig wachsende Zahl an Einträgen. Einer, der sich dieser Jagd nach Bestmarken verschrieben hat, ist der Augsburger André Ortolf, der mehr als 130 offizielle Weltrekorde hält.
Inhaltsverzeichnis:
- André Ortolf aus Augsburg
- Guinness-Buch und die Anfänge in Irland
- Die Entwicklung des Rekordbuchs
- Weltweite Bestmarken
- Vorbereitung und Regeln bei André Ortolf
- Colin Furze und technische Rekorde
- Finanzen und Alltag von Ortolf
- Neue Chancen für kommende Generationen
André Ortolf aus Augsburg
André Ortolf ist in Deutschland der Rekordhalter mit den meisten Guinness-Titeln. Mit über 130 bestätigten Erfolgen liegt er weltweit auf Platz zwei. Knapp 40 weitere Leistungen sind noch nicht offiziell anerkannt. Sein Ziel ist ehrgeizig: Er will die Spitze erreichen und die Marke von 200 Rekorden überschreiten.
Seine Rekorde reichen von kuriosen Ess-Wettkämpfen bis hin zu sportlichen Leistungen. Dazu gehören:
- 38 Blaubeeren in einer Minute mit Stäbchen und verbundenen Augen,
- 100 Meter in Skistiefeln in 13,85 Sekunden,
- über 5 Minuten eine brennende Fackel mit den Zähnen gehalten,
- 41 Dartpfeile mit Stahlspitzen in einer Minute mit den Händen gefangen.
Zuhause stapeln sich bei Ortolf die Urkunden. Nur zwei hängen an der Wand: die erste und die neueste. Alle anderen lagern in Kartons oder im Keller.
Guinness-Buch und die Anfänge in Irland
Die Geschichte begann Anfang der 1950er-Jahre in der irischen Grafschaft Wexford. Sir Hugh Beaver, Geschäftsführer der Guinness-Brauerei, diskutierte während einer Jagd über den schnellsten jagdbaren Wildvogel Europas. Da es keine Quelle gab, ließ er 1954 die Journalisten Norris und Ross McWhirter ein Nachschlagewerk erstellen.
Am 27. August 1955 erschien die erste Ausgabe. Ziel war es, Streitfragen zu klären und zugleich die Biermarke zu bewerben. Schnell entwickelte sich das Werk von einer Marketingidee zu einem Bestseller.
Die Entwicklung des Rekordbuchs
Im Laufe der Jahrzehnte wuchs das Guinness-Buch stark:
- farbige Fotos wurden eingeführt,
- TV-Shows in Großbritannien entstanden,
- heute wird es in über 100 Ländern veröffentlicht,
- mehr als 155 Millionen Exemplare wurden verkauft.
In der Guinness-Datenbank sind inzwischen über 40.000 Rekorde verzeichnet. Nur etwa 4000 schaffen es jährlich in die Buchausgabe. Die Auswahl erfolgt in London nach Relevanz, Aktualität und Unterhaltungswert.
Weltweite Bestmarken
Zu den kuriosesten Leistungen gehören:
- Xie Qiuping aus China mit 5,627 Metern Haarlänge (seit 2004),
- Johnny Strange aus Großbritannien, der 2014 ein Leichtflugzeug von 677,8 Kilogramm mit Ohrpiercings über 20,4 Meter zog,
- Liz West aus Manchester mit der größten Spice-Girls-Sammlung,
- ein Mann, der 46 Toilettendeckel mit dem Kopf in einer Minute zerbrach,
- ein Rekordhalter, der vier Stunden in einem Eisbad aushielt.
Einer der bekanntesten und oft gebrochenen Rekorde ist der Titel der ältesten lebenden Person. Derzeit ist es die Britin Ethel May Caterham mit 116 Jahren.
Vorbereitung und Regeln bei André Ortolf
Ortolf trainiert fast täglich. Seine Rekordversuche laufen meist in seiner Wohnung ab. Alles wird dokumentiert: Kameras, Zeugen, Waagen und Unterschriften. Schiedsrichter beauftragt er selten, da sie hohe Gebühren verlangen.
Die Anerkennung dauert oft Monate. Guinness prüft Beweismaterial bis zu 24 Wochen lang. Ein beschleunigter Service kostet zwischen 500 und 650 Pfund. Ortolf verzichtet darauf – zu teuer bei seiner Anzahl an Rekorden.
Seine Rekordversuche sind vielfältig:
- mehr als 1 Kilogramm Senf in 30 Sekunden,
- eine Flasche Chilisauce in Rekordzeit,
- Wassermelonen und Blaubeeren in Massen.
Ortolf betont, dass er alle Guinness-Regeln einhält. Lebensmittelverschwendung sei ausgeschlossen, da alles gegessen werden muss – während oder nach dem Versuch.
Colin Furze und technische Rekorde
Auch andere Rekordjäger haben außergewöhnliche Projekte. Colin Furze aus Lincolnshire ist für waghalsige Konstruktionen bekannt. 2012 baute er einen motorisierten Kinderwagen, der 86 km/h erreichte. Zwei Jahre zuvor schuf er ein Elektromobil für Senioren, das auf 114 km/h kam.
Furze sieht die Guinness-Zertifikate als Anerkennung für seine Arbeit, von der Idee bis zur Umsetzung.
Finanzen und Alltag von Ortolf
Finanziell lohnt sich die Rekordjagd nicht. Ortolf bezeichnet sie als „Minusgeschäft“. Kosten entstehen durch Technik, Lebensmittel, Gebühren und Urkunden. Preisgelder gibt es nicht.
Seit 2021 leitet er den Familienbetrieb, ein Recycling-Unternehmen. Dort kümmert er sich um Kunden, Preise und Entsorgung – wird aber immer wieder auf seine TV-Auftritte angesprochen.
Für die Zukunft hat er klare Pläne:
- die größte Breze backen lassen,
- in Wien die meisten Cafés an einem Tag besuchen,
- in Dublin die meisten Pubs an einem Tag,
- auf jedem Kontinent mindestens einen Rekord aufstellen.
Neue Chancen für kommende Generationen
Um die Tradition lebendig zu halten, schlägt die Guinness-Organisation neue, unbesetzte Titel vor. Dazu zählen:
- schnellstes 400-Meter-Sackhüpfen,
- weitester Münzwurf in einen Becher,
- die meisten High Fives in 30 Sekunden.
Auch das Rätsel um den schnellsten jagdbaren Wildvogel Europas gilt nun als gelöst: Der Mittelsäger aus der Familie der Entenvögel ist laut Guinness der Rekordhalter.
Quelle: Augsburger Allgemeine, YouTube